Dienstag, 18. Mai 2010

Pater familias (I)

Liedtexte sind in aller Regel Stuss. Gab es nicht in den 80er Jahren einen Sänger, der sich "Kinder an die Macht" gewünscht hat? Welch gemeingefährlicher Unsinn. Kinder setzen sich nicht zum Kompromiss bereit nächtelang an den koalitionären Verhandlungstisch und diskutieren friedlich Umverteilungsfragen. Nein, ein kurzer Streit um ein Gummibärchen reicht schon aus: "Dann bist Du eben nicht mehr mein Freund." Haben Sie schon einmal beobachtet, mit welcher Freude Kinder auf verirrten Ameisen herumhüpfen und sonstiges harmloses Getier lustvoll quälen? Wollen Sie an einem von Kindern geführten Krieg teilnehmen? Eben. Kinder sind machtversessen. Sie ziehen keine Zufriedenheit aus einem "ich habe". Der entscheidende Distinktionsgewinn kommt erst aus dem "und du nicht". Bevorteilt man ein Kind heimlich und leise bei der Süßigkeitenausgabe, marschiert es hämisch grinsend - statt still zu genießen - zu den anderen und schreit: "Guckt was mir der Papa gegeben hat". Ich habe mich entschlossen, dieses Verhalten ab sofort öffentlich anzuprangern. Da ich mit vier Frauen zusammenwohne (drei minderjährig, eine ausgewachsen), wähle ich fortan jede Woche unter allen weiblichen Familienmitgliedern eine "Miss Gunst".

Donnerstag, 6. Mai 2010

Der Baby-Test

Sie wünschen sich ein Baby? Gemach, gemach. Sind Sie überhaupt gerüstet? Wissen Sie, was auf Sie zukommt. Nicht voreilig ins Getümmel stürzen! Nur wer diese zehnteilige Prüfung besteht, sollte sich auf das Wagnis einlassen:

1. Kaufen Sie sich ein paar Inkontinenz-Windeln. Statt des üblichen Toilettengangs nutzen Sie diese. Werfen Sie die Windelpakete schließlich in ihrer Wohnung in den Müllkorb. Kochen Sie anschließend ausgiebig und genießen Sie Ihr Essen im neuen Hausaroma.

2. Gehen Sie mit Ihrem Partner in einen Techno-Club. Stellen Sie sich auf die Tanzfläche und besprechen Sie miteinander, welche Dinge für die kommende Woche einzukaufen sind.

3. Bitten Sie einen Freund, Sie in der Nacht alle zwei Stunden anzurufen (22 Uhr, 24 Uhr, 2 Uhr, 4 Uhr, 6 Uhr). Auf sein "Guten morgen lieber Freund, wie geht es Dir?" antworten Sie freundlichst "Oh, dass ist ja nett, dass Du Dich mal wieder meldest."

4. Sind die Unterhosen Ihres Partners inzwischen alt, unmodern und ausgelabbert? Schmeißen Sie diese nicht weg. Bieten Sie die ausgedienten Modelle guten Freunden zum Auftragen an.

5. Bestellen Sie bei Mc Donalds ein Big-Mäc-Menü. Setzen Sie sich hin, wenn sie das Essen haben. Lassen Sie es 20 Minuten vor sich stehen. Holen Sie sich nach den 20 Minuten aus dem Rückgabe-Regal auch das Essen, das andere Gäste übrig gelassen haben. Verspeisen Sie anschließend alles.

6. Nehmen Sie ein paar Nacktfotos Ihres Partners und legen Sie diese in einen Kinderwagen. Marschieren Sie damit durch die Fußgängerzone. Lächeln Sie stewardessenhaft, wenn Passanten ins Wageninnere schauen und "oh wie süß" sagen. Erklären Sie geduldig, wie das Foto entstanden ist.

7. Besorgen Sie sich die CDs von Rolf Zuckowski, Detlev Jöcker, Nena und Hörspiele von Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen und Prinzessin Lilifee. Legen Sie diese während der Autofahrt ein. Versuchen Sie, drei Jahre unfallfrei zu fahren.

8. Laden Sie Guido Westerwelle zu sich nach Hause ein. Halten Sie seinen gebetsmühlenartig vorgetragenen Fragen "warum Sozialstaat?", "warum Arbeitslosenunterstützung?", "warum Steuern?" stand. Rasten Sie nicht aus, schlagen Sie Ihren Außenminister nicht. Vertrauen Sie auf die Kraft der Argumente. Schicken Sie ihn ohne Abendbrot nach Hause, wenn er nicht einsichtig ist.

9. Schneiden Sie ihrem Partner mit einem scharfen Messer in den Arm. Holen Sie aus der Apotheke homöopathische Kügelchen und verabreichen Sie diese. Lassen Sie sich vom Geschrei des Partners nicht beeindrucken. Die Natur bringt alles schon wieder in Ordnung.

10. Nehmen Sie Ihren Hund mit in die Oper. Halten Sie den Beschwerden der anderen Gäste 40 Minuten stand. Verlassen Sie das Theater anschließend mit dem für alle wahrnehmbaren Satz: "Deutschland ist ein hundefeindliches Land."